Mindestlohn

Mindestlohn | Minimum Wage

Thermopapier, Druck, Handarbeit

2011

mindestlohn minimal wage

 

Text von Ulf Aminde,
in No Place To Hide, Ausstellungskatalog 2013.

Ein einfacher Kassenzettel. die Welt unterteilt sich in zwei Arten von Menschen: Die einen, die für ihre täglichen Bedürfnisse nicht zu kalkulieren haben und die anderen, die sehr wohl den Cent buchstäblich umdrehen müssen. Letztere müssen dennoch unverhältnismäßig viel arbeiten (so fern sie Arbeit haben). In letzter Zeit gibt es eine neue Diskussion um die Bedingungen von Arbeit. Anhand von sogenannten Werkverträgen können Unternehmen billige Arbeitskräfte gleich der Stammbeschäftigten anstellen, aber mit Arbeitsverträgen, die sich auf die Vollendung eines sogenannten Werkes beziehen. Das kann das Einräumen des Supermarktregales sein, oder das Schlachten von Schweinen. Erst bei zufriedenstellender Ausführung des Werkes kommt es zu einer Bezahlung, die meist viel geringer ausfällt als bei den Stammkollegen. Dies erinnert stark an die Arbeitsbedingungen im Kulturbetrieb. Künstler sind weit davon entfernt einen Mindestarbeitslohn einzufordern, werden sie doch wenn überhaupt bezahlt für ihr Werk. Die Künstlerin Charlie Stein bezieht sich in ihrer Arbeit jedoch nicht auf die eigenen Arbeitsverhältnisse, sondern auf diejenigen prekären Arbeitskräfte, die in unseren Gesellschaften eben immer noch keinen garantierten Mindestlohn erwarten können. In der Höhle des Löwen quasi kaufte sie Dinge aus dem Sortiment des Supermarktes deren Anfangsbuchstaben zusammengesetzt das Wort M-I-N-D-E-S-T-L-O-H-N ergeben. Eine schier aussichtslose Geste konkreter Poesie, die uns doch zeigt, wie wir immer wieder wach werden können, für die noch zu leistende Arbeit: Minimal Wage!!!

Charlie Stein

 

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